Wir trauern um Prof. Dr. Rita SüssmuthEhrenpräsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbands
Am 24. April 1988 wurde Prof. Dr. Rita Süssmuth erstmals zur Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) gewählt. Als erste Frau und erste Spitzenpolitikerin in diesem Ehrenamt brachte sie nicht nur eine außergewöhnliche politische Erfahrung mit, sondern bereicherte die verbandliche Arbeit auch mit ihrer erziehungswissenschaftlichen Expertise und ihrem tiefen Verständnis bildungsbiografischer Zusammenhänge.
Obwohl ihre hohen politischen Ämter – zunächst noch als Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, anschließend als Bundestagspräsidentin – eine große Verantwortung mit sich brachten, nahm Rita Süssmuth ihre Aufgabe im DVV stets mit größter Hingabe wahr. Für sie war die DVV-Präsidentschaft immer mehr als ein symbolisches Ehrenamt. Zeitlebens verband sie mit den Volkshochschulen die gemeinsame Überzeugung, dass Bildung der Schlüssel zu einer offenen und gerechten Gesellschaft ist. Aus dieser Überzeugung heraus kämpfte sie leidenschaftlich für eine inklusive und integrative Bildungspolitik, die niemals nur auf den reinen Wissenserwerb abzielt. Lebenslangen Lernen, so ihr Credo, eröffnet einen chancenreichen Weg für jeden einzelnen Menschen und bildet das gesellschaftliche Fundament für kulturelle Vielfalt und demokratischen Zusammenhalt.
Ob beim Thema Bildungsgerechtigkeit, bei der Förderung von Teilhabe, der Stärkung marginalisierter Gruppen, der Integration von Zugewanderten oder beim Ausbau der internationalen Zusammenarbeit und Gemeinschaft: Über die Jahre gingen viele politische Verdienste der fortschrittlich denkenden Sozialpolitikerin Süssmuth Hand in Hand mit ihrem Einsatz für die Sache der Volkshochschulen. In ihren 27 Jahren als Präsidentin des DVV gelang es Rita Süssmuth mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit dabei immer wieder, nicht nur den Themen, sondern auch den Volkshochschulen selbst Gehör zu verschaffen und die Wahrnehmung der Leistungen der öffentlich geförderten Weiterbildung zu stärken.
In Würdigung ihres jahrzehntelangen Engagements wählte die DVV-Mitgliederversammlung 2015 Rita Süssmuth nach ihrem Abschied vom offiziellen Präsidentenamt einstimmig zur ersten Ehrenpräsidentin des Verbandes. In dieser Funktion blieb sie auch nach ihrer aktiven politischen Laufbahn eine prominente und erfolgreiche Unterstützerin der deutschen Volkshochschulen.
Zugleich war sie als Mitglied im Kuratorium von DVV International eine Anwältin für die internationale Zusammenarbeit in der Erwachsenenbildung weltweit. Ihrem internationalen Engagement zu Ehren lobt DVV International seit 2019 den „Rita-Süssmuth-Preis für die internationale Volkshochschule“ aus. Zuletzt wurde der Preis am 04. Juni 2025 im Rahmen der Generalversammlung der European Association for the Education of Adults (EAEA) in Leipzig an Volkshochschulen verliehen, die – ganz nach Süssmuths Vorbild – in ihrer Arbeit in besonderem Maße internationale Bezüge herstellen, Brücken bauen, Menschen willkommen heißen und Perspektiven erweitern.
Rita Süssmuth war eine Visionärin, die stets den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellte. Sie hat Generationen inspiriert und ermutigt, ihre Rechte und Möglichkeiten wahrzunehmen. Ihr unermüdlicher Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit hat Maßstäbe gesetzt für alle, die jetzt und künftig in unserem Land Verantwortung für Bildung, Bildungspolitik und Gesellschaftspolitik tragen.
In dieser Zeit des Abschieds sind unsere Gedanken bei ihrer Familie, ihren Freunden und all jenen, die das Glück hatten, mit ihr zusammenzuarbeiten oder von ihrer Weisheit und Menschlichkeit zu profitieren. Rita Süssmuth wird im Gedächtnis der Volkshochschulen und in den Herzen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterleben. Sie hat uns angespornt, ermutigt und bereichert, wir haben sie sehr verehrt und sehr gern gehabt.
Quelle: Deutscher Volkshochschul-Verband
